„Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leben muss man es vorwärts“ - Søren Aabye Kierkegaard

In den 50er Jahren geboren, begann auch ich irgendwann, an die nachberufliche Phase zu denken. Die Freiheit pur lockte! Endlich Zeit für alles, das früher zu kurz gekommen war! Dachte ich mir...

Als Selbständige hat man einen breiteren Gestaltungsraum. Also begann ich, die gewohnten Aufträge zu reduzieren und mich nur mehr auf meine Lieblingsaufgaben zu konzentrieren.

 

Doch der Übertritt in diese freiwillig angetretene „Pension light“ war überraschend heftig und gar nicht nur angenehm. Als Coach erkannte ich natürlich den Grund für die unerwartete Imbalance: Die früher von außen kommenden Aufgaben und die gewohnte Zeitstruktur fehlte plötzlich. In meiner Identität war ich erschüttert, fühlte mich nicht mehr zugehörig zu meinen beruflichen Netzwerken. Ich steckte unerwartet in einer Krise, soviel war klar. Krisen verschwinden nicht allein durch Reflexion. Ich verstand: Jetzt galt es, Abschied zu nehmen von Bisherigem und Zukünftiges bewusst zu gestalten. Ich begriff, dass ich meine Sichtweise an die neue Situation anpassen musste, um sie zu einer erfüllten und glücklichen Lebensphase werden zu lassen. Sobald ich meine Unzufriedenheit zuordnen konnte, ging es mir jeden Tag besser. Neue Ideen tauchten auf. Ich gewann meine alten Energien wieder zurück.

 

Heute begleite ich Menschen beim Übergang von der Erwerbszeit in den Ruhestand durch diese nicht immer angenehme, aber ungemein spannende Phase. Ziel ist es, den Ruhestand nicht zufällig geschehen zu lassen, sondern diesen Lebensabschnitt bewusst zu gestalten und mit sinnvollem Sein und Tun auszufüllen.